Eine Insel mit wenig Bergen und dem tiefen blauen Meer (06.07 – 10.08)

Wir haben lange nicht geschrieben

Das liegt zum einen daran, dass wir das Gefühl hatten, dass es eigentlich nicht viel zu erzählen gibt. Zum anderen haben auch wir ja mal schlechte Zeiten und alles geht drunter und drüber. Da waren wir oft einfach nicht in der Stimmung einen Blogbeitrag zu verfassen.

Insgesamt ist aber natürlich doch viel passiert. Inzwischen sind wir in Österreich, auf dem Weg nach Slovenien, um dann durch Kroatien und Albanien zu fahren und in Griechenland zu überwintern.

Ankunft auf Sardinien

Aber von vorne: Sardinien begrüßte uns mit einer irren Hitze. Überrascht stellen wir fest, dass unsere mühsam erworbenen Antigen-Tests niemand sehen wollte. Nachdem Micha sich italienisches Internet besorgt hatte, fanden wir einen Stellplatz in der Nähe vom Meer. Leider mussten wir feststellen, dass Sardinien um diese Zeit sehr voll, touristisch, teuer und heiß ist. Dass die Hochsaison so anstrengend ist hätten wir nicht gedacht. Wir trösteten uns damit, dass das aber wahrscheinlich überall so wäre. Der Nachteil auf Sardienien ist jedoch, dass man der Hitze und den Massen nicht entkommen kann indem man in die Berge fährt. Die gibt es da nämlich kaum. Und wenn man mal etwas höher ist, gibt es dort keine Seen oder Flüsse in denen man sich abkühlen könnte. Ein Stellplatz ohne Gewässer war für uns undenkbar. Also blieben wir am Strand. Das ist das einzige was man im Sommer dort machen kann. Strand, Meer, Punkt, Ende.

Es war schwierig bezhalbare Stellplätze zu finden. Von Campingplätzen ganz zu schweigen. Wir konnten wirklich nicht verstehen, was die Leute alle an Sardinien fanden. In der Nebensaison sicherlich eine tolle Insel, aber im Sommer…

Der Lack is‘ ab…

Wir haben uns die Leiter am Heck vom Bus abgefahren. Das erste Mal beim Ausweichen auf einem engen Feldweg (da war ein Betonpfosten im Gebüsch versteckt). Das war halbwegs schnell in Ordnung gebracht, dank der kompletten mitgeschleppten Werkstatt. Dann am Tag danach ein zweites Mal, diesmal nachhaltig kaputt, in einem engen Bergdorf. Dabei haben wir zu allem Überfluss nicht nur einen Betonpfosten, sondern gleich einen ganzen Kleinwagen mitgenommen. Das Heck schwenkt eben einen halben Meter aus, wenn man einlenkt – das ist schon die halbe Spur in so einem Bergdorf.

Die Eisdiele nebenan war so freundlich, für uns die Polizei zu rufen, damit wir ermitteln konnten, wessen Auto wir da überhaupt demoliert hatten. Dass die Carabinieri kein Englisch sprachen und wir uns nur über den Google Übersetzer unterhalten konnten, hat die Sache nicht gerade vereinfacht, aber alles in allem war die Abwicklung sehr entspannt.


Lerneffekt für die Zukunft: wenn es einfach nicht passt weil der Gegenverkehr nicht mitdenkt und sich vor die einzige freie Ausweichlücke stellt, stur stehen bleiben und warten, bis der kleinere zurück setzt. Wenn der andere das Problem verursacht, muss ich es nicht auf Teufel komm raus lösen wollen. Wir haben im Gegensatz zu den meisten PKW nämlich eine Kaffeemaschine und Eis am Stiel und damit definitiv den längeren Atem.

Die Reparatur hat dann doch etwas länger gedauert, denn die Schraublöcher waren hoffnungslos ausgerissen. Da hielt nichts mehr. Dafür kann man die Leiter jetzt jederzeit entfernen und die schicken, neuen Zurrpunkte nutzen um andere sinnlose Dinge an die Busseite zu schnallen.

Campingplatz und Familienbesuch

Eine vorzeitige Abreise kam jedoch nicht in Frage, weil wir unsere Mary erwarteten, die uns in ihrem Urlaub auf Sardinien besuchen kommen wollte. Sehnsüchtig erwarteten wir ihre Ankunft. Als sie schließlich ankam, spendierte sie uns großzügig einen Campingplatzaufenthalt. Die Sardinien- Zeit war gerettet. Auf dem Campingplatz gab es unglaublich viele deutsche Familien, ein Klein- Deutschland mitten im Mittelmeer. Die Kinder waren glücklich. Sophie startete mit ihren neuen Freundinnen allerlei Projekte, zum Beispiel hängte sie Zettel auf: „Wir führen Ihren Hund aus, gratis.“ und zogen freudig in Gruppen mit den Hunden über den Campingplatz. Oder sie veranstalteten Verlosungen. Sie bauten einen Tisch auf, wo man Lose kaufen und Süßigkeiten gewinnen konnte.

Außerdem gab es einen Pool, in dem alle viel Zeit verbrachten. Hier lernten wir zum ersten Mal die Seltsamkeit in italienischen Schwimmbädern kennen: Alle müssen Badekappen tragen! Wir kauften einige Badekappen und sahen total bescheuert aus.

Mal etwas anderes: Hochseilgarten. Sophie hat auch den harten Parcours gemacht, aber davon gibt es leider keine Fotos.

Oft gingen wir mit Mary essen, meistens Pizza. Und Cocktails. Und Wein. Die sardische Küche soll sehr gut sein, aber sehr fleischlastig. Somit blieben uns die meisten traditionellen sardischen Gerichte verwehrt. Es war aber immer ein schönes Erlebnis am Strand entlang ins Dörfchen zu wandern und sich auf des Essen im Restaurant zu freuen. Endlich mal kein Kochen und Spülen. So kann man das Leben genießen.

Die Insel erkunden? Keine Chance.

Mit Ausflügen taten wir uns schwer. Es war einfach zu heiß. Jeder Zentimeter, den man sich vom Meer oder Pool wegbewegte, barg gefährliches Heul-, Wutanfall- und Streitpotenzial. Ein schönes, typisch sardisches Dörfchen besuchen? Nicht mit unseren Kindern. Einmal wagten wir es, quetschten uns zu fünft in Marys Mietwagen (Micha blieb zum Arbeiten am Bus. Ich beneidete ihn). Schon die Fahrt war fürchterlich. Die Kinder stritten sich unentwegt welches Hörbuch gehört werden sollte. Dazwischen quengelte Maya unablässig, dass ihr schlecht wäre. Ich empfahl ihr einen Schluck Wasser, für den wir allerdings am Straßenrand halt machen mussten um die Flasche Wasser aus dem Kofferraum zu holen. Maya wollte aber kein Wasser. Sie quengelte immer weiter. Wir konnten nur halb darauf eingehen, da Sophie und Benjamin sich parallel über irgendetwas fürchterlich stritten. Wir waren da schon völlig am Ende. Das Schlimmste sollte aber noch kommen. Maya fing plötzlich an zu würgen und spuckte in hohem Bogen ihr Frühstück durch den Mietwagen. Mary legte eine gefährliche Notbremsung hin, wobei sie über die Gegenfahrbahn auf einen Schotterplatz raste. Nachdem wir die Schweinerei so gut es ging beseitigt hatten, brach ein wahnsinniger Streit im Auto aus, wer jetzt wo sitzen dürfte. Mary und ich standen rechts und links neben dem Auto und die Sonne brannte uns auf die Schädel. Nachdem ich mehrmals versucht hatte mir Gehör zu verschaffen um zu erklären, dass es draußen in der Sonne extrem, ja unerträglich heiß sei, mich aber niemand beachtete, verlor ich die Geduld und bugsierte Benjamin aus dem Auto heraus in die Sonne. Sollte er doch selber mal sehen wie heiß das ist, vielleicht könnten wir dann endlich mal wieder einsteigen, die Klimaanlage anschmeißen und weiterfahren! Ich bin da nicht stolz drauf, ich weiß, das war doof. Aber manchmal siegt die Verzweiflung. Schließlich saß ich undankbarer weise auf Mayas Platz, und versuchte den säuerlich riechenden Anschnallgurt möglich weit von mir weg zu halten.

In dem Dorf ging es dann ähnlich weiter. Erst gegen Ende beruhigten sich alle einigermaßen und es wurde doch noch ganz schön.

Der tollste Tag von allen

Von dieser Kartastrophe derart traumatisiert wollte ich überhaupt keinen Ausflug mehr wagen. Ich merkte aber, dass Mary enttäuscht war, weil sie sich das verständlicherweise anders vorgestellt hatte. Ich überlegte angestrengt, welchen Ausflug man machen könnte, der mit Meer und Strand zu tun hat. Bloss nicht zu weit weg vom kühlen Wasser, das war die Devise. Im Internet fand ich eine Motorboot Tour mit Delfinbeobachtung und Schnorcheln. Das wäre doch was. Natürlich war das aber ausgebucht. Nach langem Hin und her kam Micha auf die Idee, ein Motorboot zu mieten und auf eigene Faust an der Küste rumzuschippern.

Es wurde der großartigste Tag von allen. Wir packten ein großes Lunchpaket und weckten die Kinder früh. Verschlafen saßen sie im Auto, wurden während der 2,5 stündigen Fahrt aber zunehmend wacher. Vor dieser Fahrt hatten wir einen Horror. Aber sie verlief ereignislos, ja sogar friedlich.

Da kommen also die geliebten Weinkorken her, mit denen man so schöne Angelschwimmer basteln kann…

Das Motorboot war ganz einfach zu lenken, und so durfte jeder mal der Kapitän sein. Wir fuhren mal langsam, mal schnell und hielten in einer wunderschönen Bucht an um zu schnorcheln. Das Wasser war unbeschreiblich blau und türkis. Wie in der Karibik konnte man 10 Meter auf den Grund schauen.

Später hielten wir an einem Strand an dem es ein Restaurant geben sollte. Hier war es natürlich sehr voll. Aber das störte uns nicht so sehr. Wir aßen völlig überteuerte Pommes und Spaghetti und weiter ging die wilde Fahrt. Wir besichtigten auch eine Tropfsteinhöhle und ich war überrascht, wie aufmerksam Sophie dem Audioguide lauschte. Mich hat sowas als Kind nie besonders interessiert. Wen interessiert schon wie diese Höhle entstanden ist und wie Forscher sie neunzehnhundert-irgendwas entdeckten. Sophie aber, die den einzigen Audioguide beschlagnahmt hatte, fasste für uns wichtigsten Informationen kompetent zusammen.

Am Ende waren wir etwas spät dran und mussten entsprechend Gas geben. Das Boot hüpfte und raste über die Wellen, es war herrlich! Einmal wurde der Ruf laut: „Mütze über Bord!“ und Micha musste ins Wasser springen und in einer Rettungsaktion Sophies Mütze retten.

Am Ende fragten alle immer wieder: Machen wir sowas noch mal? Oh ja, wir wollen nochmal!

Was für ein wunderbarer Tag!

Die weitere Planung

Nachdem Mary wieder abgereist war, blieben wir noch ein paar Tage um uns neu zu sortieren, zu überlegen wo es als nächstes hingehen sollte und die Fähre zu buchen. Wir entschieden uns für Genua, Italien. Wenn man nämlich in Italien unterwegs ist (Sardinien ist ja auch Italien), sieht man sehr viele Vespas. Und da reifte in uns so die Idee, dass wir auch eine Vespa haben wollten. Wir dachten, dass wir für den Kauf und die Anmeldung wohl nach Deutschland müssten. In Italien anmelden ohne Wohnsitz würde schwierig. In Italien kaufen und in Deutschland anmelden (lassen) auch, wegen der ausländischen Papiere. Und das war nun also die angepeilte Richtung: Über Italien, Südtirol und Österreich (wo wir auch meine Bruder besuchen würden der in Innsbruck lebt) nach Süddeutschland, Bayern, um eine Vespa zu kaufen.

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