Es geht los

Nun ist es also so weit: Es geht mit großen Schritten auf die Reise zu. Eine Woche haben wir noch um die restlichen Sachen loszuwerden und um uns von Freunden und Familie zu verabschieden.

Den 1. Mai haben wir als Abfahrttermin in den Kalender eingetragen.

Die Kinder sind von Schule und Kindergarten abgemeldet, alle amtlichen Geschichten (Steuer, KFZ Versicherung, Krankenversicherung, Arbeitgeber, Kindergeld…. schaut hierzu gerne in Michas Beitrag der demnächst noch kommt :)) sind geregelt.

Abschied nehmen

Nun heißt es Abschied nehmen. Wir werden noch einen kleinen Lagerfeuer-nachmittag mit den befreundeten Familien aus der Nachbarschaft machen. Sophies beste Freundinnen kommen noch ein letztes Mal zu Besuch. Sophie wollte keinen Abschied in der Schule feiern weil sie so was gar nicht gut aushält. Stattdessen haben wir die Lehrerin gebeten, dass jedes Kind etwas malt oder schreibt und Sophie somit eine Erinnerungsmappe hat.

Benjamin und Maya haben im Kindergarten eigentlich noch nicht so feste Freundschaften geschlossen. Benjamin möchte sich von einem Freund verabschieden, Maya hingegen interessiert das alles nicht. Für sie ist nur wichtig, dass wir, ihre Familie da sind.

Für mich ist das alles gar nicht so schlimm. Ich sehe meine Freunde eh nur selten. Allerdings werde ich mich von meinem Geigenlehrer verabschieden müssen! Und somit auch vom Geigenunterricht. Ich habe mir ein Buch gekauft mit dem man sich selber irische Fiddle beibringen kann. Aber das ist nicht das Selbe und ich bin wirklich traurig über diesen Abschied.

Auch von dem Haus in dem ich 15 Jahre meines Lebens verbracht habe muss ich mich nun verabschieden. Es ist das Haus meiner Großmutter in dem wir schon als Kinder gespielt haben. Aber es bleibt ja in der Familie: Meine Mutter wird es an meine Schwester und ihre Familie vermieten. Auf wiedersehen schöner Garten, ich habe so viel in dir gebuddelt und gepflanzt! Auf wiedersehen du alte Bruchbude, wir haben so viel an dir herumgebastelt damit du nicht auseinanderfällst! Ich werde es vermissen auf dem Balkon zu sitzen, den Schiffen auf dem Rhein zuzusehen und die Spaziergänger sagen zu hören: In diesem Haus würde ich gerne wohnen! Es ist das schönste auf dieser Straße!

Vorfreude und Sorgen

Wenn Dir’s in Kopf und Herzen schwirrt,

was willst Du Besseres haben!

Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,

der lasse sich begraben.

J. W. Goethe

Ja, uns schwirrt es ganz gewaltig in Kopf und Herzen! Und vor allem scheint mein Kopf ständig anderer Meinung zu sein als mein Herz…

Und auch das mit dem Irren können wir ganz gut. Was machen wir hier? Sind wir wahnsinnig? Gerade jetzt in diesen Zeiten? Es wird fürchterlich scheitern. Wir werden den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht, wir entwurzeln sie und nehmen ihnen ihre Freunde. Werden wir auf der Reise überhaupt Familien mit Kindern treffen? Und wie sollen sie Freundschaften schließen wenn wir ständig weiterziehen? Wie soll das gehen wenn Micha jeden Tag arbeitet? Wir sollen wir dir Tage rumkriegen wenn wir an einer doofen Stelle stehen ohne Wald oder Natur oder Meer? Wir haben keinen Kindergarten mehr zur Entlastung. Werden wir so gestresst sein, dass wir uns ständig streiten?

Wir könnten daran zerbrechen.

Oder wir könnten daran wachsen!

…Wir könnten die beste Zeit unseres Lebens haben. Und wir werden es nie rausfinden wenn wir es nicht versuchen! Wir werden neue tolle Orte und Menschen kennenlernen. Andere Lebensentwürfe entdecken. Vielleicht werden wir Inspiration bekommen für berufliche Orientierung. Wir werden sehen wie unsere Kinder aufblühen, jedem Tag mit Neugier, Kreativität und Freude begegnen. Sich begeistert an unsere Abenteuer erinnern und sich schon auf die nächsten freuen.

Vielleicht werden wir gar nicht mehr aufhören wollen zu reisen und es auch nicht tun. Oder wir finden einen Ort der einzigartig gut zu uns passt mit netten Menschen, vielen Kindern, schöner Natur und freier Bildung. Oder wir bauen uns so etwas selber auf.

Wir sind jetzt einfach mal mutig. Wir wagen uns hinaus in die Welt. Denn wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.

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