In Innsbruck gibts Siebdruck (22.08 – 03.09)

Nachdem ich den Text nun fertig geschrieben habe, fühle ich mich verpflichtet hier eine ironische Warnung auszusprechen: Das ist ein „Handwerkerbeitrag“! Es geht vor allem um Baumärkte, Stichsägen, Bohrer und Eisenware.

Weiter ging es nach Innsbruck, wo der sorgfältig vorausgewählte Parkplatz mit garantierter Jumboparklücke leider von einem Zirkus belegt war. Wir haben dann nach einer kurzen Kreisverkehrtour ein nettes Plätzchen gefunden, von dem aus wir sogar zu Fuß in die Innenstadt gelangten. Es war schon Nachmittag, aber eine kurze Stadttour mit der Option, Max noch einmal zu treffen, war noch drin. Also ab in die Fußgängerzone und auf dem Weg dort hin immer wieder das Bergpanorama im Hintergrund betrachten.

Unsere Stadttour war recht kurz. Zu erwähnen wäre insbesondere Der Lindt-Store, in dem ich mit Benjamin ein bisschen über die Stränge geschlagen bin. Aber was soll man erwarten, wenn man aus dem gesamten verfügbaren Schokokugelsortiment wählen kann?

Schokoparadies… War nur kurz Zeit das Handy zu zücken, sonst hätte Benjamin mir alles weggegessen. Gottseidank hatten wir den größten Teil weggenascht, bis wir Anna wieder getroffen hatten 😉

Das vegane Cafe, das Anna herausgesucht hatte, war leider geschlossen. Darüber war Maya so erzürnt, dass der Tag erstmal gelaufen war. Max mussten wir leider wieder absagen und machten uns genervt auf den Rückweg zum Bus. Zum Abendessen wollte ich noch schnell ins Gewerbegebiet tuckern. Man erinnert sich vielleicht: wir wollten in Deutschland eine Vespa besorgen, allerdings hätte die nie und nimmer auf unserem Fahrradträger stehen können. Die Schienen viel zu klein und zu schwach, keine Möglichkeiten, das Teil irgendwie sicher zu befestigen – da kam der Innsbrucker Obi gerade recht. Mit tatkräftiger Unterstützung von Benjamin, der vom Einkaufswagen aus mit Adleraugen genau die Schraubösen erspähte, die ich seit einer halben Stunde verzweifelt suchte, besorgte ich einen Haufen Eisenwaren, einen neuen Eimer (unser alter Dusch- und Glasmüllsammeleimer ist in Spanien verschollen), einen ultraharten Metallbohrer, ein paar Umzugskartons und eine unbedingt benötigte akkubetriebene Stichsäge (*hüstel*).
Siebdruckplatten waren leider vergriffen, was die ganze Aktion im Nachhinein ziemlich sinnlos machte, aber den ganzen schönen Plunder wieder zurück legen wäre auch doof gewesen. Übrigens: deutsche Obi Kundenkarten (ja, ich bin ein treuer Konsument) funktionieren in Österreich nicht.
Auf dem Parkplatz bastelte gerade jemand eine nagelneue Riesendachbox auf seinen Kombi. Dem habe ich spontan seine Pappverpackung abgeschwatzt und konnte so die Umzugskartons direkt wieder zurück bringen.

Am nächsten Tag ging es dann in einen nahen Bauhaus-Markt, um die fehlenden Siebdruckplatten zu besorgen. Am Holzzuschnitt schlackerte mir die Unterhose: 300€ für die geplante 200x60x1,5 Siebdruckplatte. Wat? Aber der Azubi hinter der Theke senkte verschwörerisch die Stimme und raunte mir zu, dass ich eine komplette Platte in der gleichen Stärke, aber ohne Zuschnitt, unten in der Drive-In Baustoffhalle zu einem Drittel des Preises bekommen würde. Wohlgemerkt: eine komplette Platte, ohne Zuschnitt. Die Dinger sind 250x120x1,5 groß und alleine kaum zu tragen. Also mehr als doppelt so viel Material zu einem Drittel des Preises. Da habe ich spontan mit den Schultern gezuckt, noch eine Solarlichterkette eingepackt (sehr zur Freude der Kinder) und einen weiteren Teil des gesparten Geldes mit den Worten „Sucht Euch was aus“ in der Bäckerei investiert.
Bilanz: eine viel zu große Siebdruckplatte, eine Solarlichterkette, eine Sachertorte(Benjamin), eine seltsames Waffelbecher-mit-Sahne Ding (Maya), eine Mohnschnecke (Sophie) und eine supersahnig-fruchtige Dingstorte (myself). Die Siebdruckplatte passte so gerade eben zwischen Heckträger und Busrückwand. Woanders hätte ich die auch nicht transportieren können.

Gut investiertes Geld

Nächster Halt: Wohnmobilstellplatz Mittenwald, direkt hinter dem wieder mal unspektakulären Grenzübergang. Ein schnödes Schild mit der Aufschrift „Bitte beachten Sie die geltenden Einreisebeschränkungen“.

Auf dem Stellplatz habe ich dann am nächsten Tag erstmal die Platte ein wenig zurecht gestutzt – mit der neuen Stichsäge. Der Fahrradträger wurde komplett leer geräumt und drei von vier Fahrradschienen kurzerhand entsorgt (tat mir im Herzen weh). Einen großen Teil des Gerödels (große Plastikkiste, Einrad-Fahrradanhänger, diverses Kleinzeug) haben wir in die geschnorrte Pappe vom Obi Parkplatz gewickelt und ab damit nach NRW. An dieser Stelle ein großer Dank für die Geduld meiner kistengeplagten Eltern!
Platte mit zwei fetten M12 Schrauben auf den nun nackten Träger geschraubt und das restliche Gerödel (riesige Alukiste, Fahrrad, 20L Reservekanister, restliche Siebdruckplattenteile) wieder drauf und ab nach Garmisch-Partenkirchen.

Dort wollten wir unbedingt den Waschsalon nutzen. Außerdem erwartete ich einige Pakete. Mein geliebter Tagesrucksack (Camelbak H.A.W.G Milspec – ein Traum von einem Rucksack, aber jetzt leider nur noch in lächerlichen Tarnfarben lieferbar) hatte nach Jahren treuer Dienste nun den Weg alles irdischen angetreten und war dabei sich aufzulösen. Neben einem neuen Rucksack außerdem unterwegs: Ein paar Schwerlastauszüge mit 120kg Tragkraft bei 1m Auszuglänge: die Vespa würde sehr nah an unserer Hecktür stehen müssen, um den Hebel auf die Hinterachse klein zu halten. Ohne genau zu wissen, wie hoch der Roller sein würde, ging ich davon aus, dass selbst bei komplett heruntergelassenem Heckträger die Tür nicht mehr über den Roller hinweg aufgehen würde. Ein großes Problem, denn wir müssen häufig an den „Kofferraum“ und wollten natürlich nicht jedes Mal den Roller vom Träger fahren müssen.
Der Plan war, die Siebdruckplatte inklusive Zurrösen auf den arretierbaren Schwerlastauszügen zu montieren, so dass der gesamte verzurrte Roller einen Meter zur Seite gleiten und den Weg für die Tür freigeben könnte. Alles während der Fahrt natürlich nochmal extra mit Bolzen gesichert, schließlich möchte ich ungern einen Fußgänger mit einem plötzlich zur Seite gleitenden Roller überraschen.

Nur so viel: diese Dinger sind sauschwer und dass wir geschätzte drei Kilometer von der Post zurück zum Wohnmobil bergauf mussten, hat es nicht gerade leichter gemacht. War aber trotzdem ein netter kleiner Ausflug.

Lehrstunde in Thermodynamik: „Der Kakao ist zu heiß“ – „Mein Bier ist kalt. Da lässt sich doch was machen.“

Die nächsten Tage waren eher unspektakulär. Es regnete viel, Anna und ich haben uns nacheinander impfen lassen, eine gebrauchte Vespa am Rand von München besorgt und einige Tage auf dem sehr schönen Wohmmobilstellplatz in Bad Tölz verbracht. Der Heckträger wurde fertiggestellt. Die Schwerlastauszüge, die ich im Schweiße meines Angesichts den Berg hinauf geschleppt hatte, gingen ungeöffnet zurück an den Hersteller – die Tür geht nämlich wunderbar auf, wenn man den Lenker quer stellt und den einen Seitenspiegel losschraubt.

Frisch gekauft. Jetzt muss er noch irgendwie verkehrssicher auf der Platte verzurrt werden. Gut, dass ich ein Spanngurtsammler bin. Die 30km nach Bad Tölz fahre ich immer mit einem Auge auf der Rückfahrkamera.
Kurze Probefahrt vom Stellplatz zum Bäcker. Da muss definitiv ein anderer Helm her…
So sieht es fertig aus. Paar Versteifungen, paar Zurrösen, vier weitere Löcher um die Platte 1000%ig sicher zu befestigen. Und es ist immer noch jede Menge Siebdruck übrig. Was machen wir nur damit? Wegwerfen kann ich das einfach nicht…
Und wo ist das ganze Gerödel, was da sonst noch drauf war? Zum großen Teil auch nach Hause geschickt…
… bis auf den 20L Kanister. Der muss dabei bleiben, auch wenn ich lange überlegt habe ihn doch zurück zu senden. jetzt hat er eine eigene kleine Plattform.
Ein paar cm könnte man die Konstuktion jetzt kürzen, dann wären wir ganz offiziell <8m. Dafür bräuchte ich dann zwingend eine Akkuflex… aber der nächste Baumarkt kommt bestimmt 😉

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