On the road again

On the road again

Der erste Praxiseinsatz des von Anna heiß ersehnten Tischorganizers. Wir sind wieder auf dem Weg Richtung Süden, dieses Mal ohne herumrollende Stifte, heruntersegelnde Papiere und Bücher, kullernde Trinkflaschen und rutschende Handys. Zwar hat Anna mittlerweile einen bemerkenswerten Auffang- und Festhaltereflex entwickelt, trotzdem ist dieses simple Holzteil eine große Erleichterung für alle, die am Tisch reisen. Außerdem erschrecke ich mich nicht mehr, wenn bei scharfen Kurven plötzlich irgendetwas mit großem Getöse auf dem Boden landet oder Anna schreit „Kurve, alles fest halten!“.

Der Organizer ist fertig
Design: Anna. Produktion: Micha

Zugegeben, ich bin ein Werkzeugjunkie und schleppe eine halbe komplette Werkstatt mit mir herum, aber eine Akkustichsäge habe ich schmerzlich vermisst. So mussten alle Ausschnitte mit dem Minisäge meines Multitools gemacht werden. Geht auch, dauert nur länger.

Ich freue mich, wieder ein wenig zu fahren. Auch wenn Anna das wahrscheinlich nicht wirklich nachvollziehen kann, mag ich das Blubbern des V8 und das gemütliche durch die Landschaft schaukeln. Die Fahrt ist weitgehend ruhig. Alle sind relativ entspannt, trotz des andauernden Hörspielentzugs. Das Navi hat eine Route ausgesucht, die nicht komplett an der Küste entlang führt, sondern ein wenig ins Hinterland, über die Stadt Vic und dann auf der Höhe von Barcelona wieder an die Küste. Ich habe leider zu spät realisiert, dass wir dafür einige saftige Steigungen bewältigen müssen, und so kriechen wir wieder einmal mit 30 auf der rechten Spur die Berge hinauf. Ich fiebere den Steckern entgegen, die meine Eltern im Gepäck haben – die letzten Teile, die für den Betrieb des elektrischen Kühlerlüfters noch fehlen.

Einen „kurzer“ Zwischenstop für eine Tasse Tee entwickelt sich zu einer Lerneinheit in Geologie, denn am Rand des großen Schotterparkplatzes ist eine felsig wirkende Wand, die sich bei näherer Untersuchung als gar nicht so hart entpuppt, wie sie aussieht. Junger Fels sozusagen. Noch keine Zeit gehabt, unter hohem Druck zu härten. Sophie findet das alles sehr spannend und entdeckt nebenbei noch ein paar Insekteneier auf einem Blatt. Sie versucht herauszufinden, von welchem Tier sie stammen. Leider erfolglos. Ich hoffe, sie hat die jetzt nicht irgendwo im Bus verstaut um zu sehen, was raus schlüpft…

Wir haben das Gefühl, trotz unseres gemächlichen Tempos noch viel zu schnell unterwegs zu sein. Es gibt so viele schöne Gegenden, durch die wir einfach nur durch fahren, ohne anzuhalten. Eigentlich sollten wir viel öfter einfach Halt machen und die Landschaft genießen, ein wenig spazieren gehen – vielleicht einfach mal einem Sehenswürdigkeitsschild am Straßenrand folgen. Im Moment zieht es uns schnell weiter gen Süden, weil das Wetter hier oben zwar halbwegs warm, aber trotzdem durchwachsen ist. Während wir beide hier vor dem Laptop sitzen, beschließen wir, ab dem Treffen mit meinen Eltern noch gemächlicher zu reisen. Immerhin wartet schon seit einiger Zeit eine Flasche Weißwein auf einen gemeinsamen gemütlichen Abend…

Unser heutiges Abendessen ist ein gutes Beispiel für das, was wir eigentlich häufiger tun sollten. Einfach in schöner Landschaft die nächste Abfahrt nehmen, uns irgendwo hin stellen und aussteigen. Zwar war dieser Ort nicht so richtig schön, nur eine halbfertige Baustelle (vermutlich irgendeine Halle für einen Landwirt, aber die Landschaft war trotzdem nett anzusehen und die Kinder waren froh, draußen spielen und forschen zu können. Die finden einfach überall irgendetwas Spannendes. Benjamin hat vor dem Essen zum Beispiel diese total sinnlos in der Gegend hängende Brücke gefunden und festgestellt, dass sie dringend restautriert werden müsste.

kaputte Brücke
Eine Gefahr für die Allgemeinheit. Kaputte Bretter und herausstehende Nägel
Benjamin bei der Arbeit
Frisch ans Werk
Die Brücke ist fertig
Endabnahme durch deutsche Sachverständige. Die lokale Bevölkerung kann wieder gefahrlos ins Nichts laufen.

Abgesehen von diesem Paradebeispiel deutscher Ingenieurskunst gab es noch einige wild wachsende Kräuter zu entdecken, die kurzerhand im Abendessen gelandet sind.

Kräutersammeln
„Oh mein Gott, hier wächst ja Dill!“ (und Rosmarin, Kamille, Rucola, Thymian)

Sophie beobachtet und katalogisiert schon seit einiger Zeit Vögel. Bereits in Düsseldorf saß sie stundenlang mit dem Fernglas im Kinderzimmer und beobachtete den Garten.
Sie hat beschlossen, alle Vögel aus Ihrem Vogelbuch finden zu wollen, denn sie hat alle 100 darin enthaltenen Vögel auf eine Liste geschrieben und hakt jetzt ab, welche sie schon gesehen hat. Möglicherweise sollten wir das Buch „Welcher Gartenvogel ist das?“ durch „Vögel Europas“ oder ähnliches ersetzen. Das Ebrodelta, an dem wir morgen Abend ankommen möchten, sollte da einige gute Gelegenheiten zur Vogelbeobachtung bieten.

Ornithologin bei der Arbeit
Ornithologin bei der Arbeit
Artenliste
Die Liste mit 100 Vogelarten wird fertiggestellt
Abendessen auf der Baustelle
Abendessen auf der Baustelle
Blumen sind wat schönes
Blumen sind wat Feines
Montserrat in der Ferne
Montserrat in der Ferne. Auf dem Rückweg schauen wir uns das auch noch an

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.