Landschaft

Stürmisches Süddeutschland

Stürmisches Süddeutschland

Ja… immer noch in Deutschland. Im Schwarzwald. Noch gibt es keine spannenden Geschichten über Grenzkontrollen. Aber eine Kontrolle hatten wir! Auf der Autobahn hat uns die Polizei angehalten. Auf unsere besorgte Frage hin, ob etwas nicht in Ordnung wäre, sagte der Polizist: „Ne, alles ok. Aber mir war langweilig und Ihr Bus sah so interessant aus. Also dann Ausweispapiere bitte.“ Haha.

Ein fahrendes Museumsstück

Ich hatte ganz vergessen, wie die Leute auf den Bus reagieren. Die Leute am Straßenrand flippen zum Teil völlig aus, recken die Daumen in die Luft, grinsen breit oder haben den Mund offen stehen. Einmal hat ein Mann vor Begeisterung ein kleines Tänzchen hingelegt. Entgegenkommende Autofahrer hupen oft. Dann rutscht mir immer das Herz in die Hose, weil ich denke es passiert gleich ein Unfall!

Wenn wir parken stehen da manchmal mehrere Leute und machen Selfies vor dem Bus. Letztes Jahr stand Micha morgens mit Kaffee und in Unterhose in der Bustür als jemand aus einem vorbeifahrenden Auto Fotos schoss. Und weg war er.

Wir nehmen das alles mit Humor. Es ist doch schön wenn der Bus den Leuten ein Lächeln aufs Gesicht zaubert!

Und sehr oft kommen wir auf diese Weise mit ganz vielen Leuten ins Gespräch. Sie haben 100 Fragen über den Bus und wo wir hinreisen, wer wir sind und was wir machen. Schön! Wenn wir weiter im Süden sind können wir auf diese Weise bestimmt ein paar Tipps für tolle Orte bekommen.

Familienfreundliche Gegend

Dieser Teil von Deutschland ist übrigens wirklich schön! Viel Wald und nette kleine Dörfchen. Was uns besonders auffällt sind die liebevoll gestalteten Parks und Spielplätze. Alles wirkt neu und durchdacht, es gibt immer kostenfreie saubere öffentliche Toiletten und Trinkwasserstellen. Ein Mülleimer war abgesperrt mit dem Hinweis, dass darin eine Blaumeise nistet die bitte nicht gestört werden soll. Ist das nicht nett? Überall stehen Obstbäume im öffentlichen Raum, vor allem Kirschen. In einem Park gab es so was wie ein open air Fitnessstudio. Verschiedene Geräte sind zwischen den Bäumen und gepflegten Blumenbeeten verteilt. Das ist doch mal ne Idee, wo doch alle jammern, dass zur Zeit die Fitnessstudios geschlossen haben! Alles ist so richtig schön gemacht für die Einwohner und vor allem für Familien. Das sind wir gar nicht gewohnt!

Von diesen Fitnessgeräten gab es in dem Park ganz viele und es wurde von vielen Leute genutzt

So können wir auch immer gut ein paar Stunden draußen rumbringen während Micha im Bus arbeitet.

Ein Tag bei den Mohrs

Es hat sich eine ganz gute Routine eingestellt: Aufstehen, frühstücken, anziehen, raus für 2 Stunden, Micha arbeitet. Dann Mittagessen und noch ein Stückchen fahren. Die Kinder machen das Busfahren viel besser mit als noch im letzten Jahr. Sie hören Hörbücher (leider kann ich nicht gut vorlesen, es ist zu laut.), malen oder lesen. Das kann man natürlich nicht den ganzen Tag machen, aber die paar Stunden die wir fahren sind angenehm. Ich erinnere mich noch an letztes Jahr, als es manchmal schlimme Szenen gab und wir die Fahrt unterbrechen mussten. Wir sitzen hier alle schön um den Tisch herum und ich kann auch zwischendurch aufstehen und Äpfelchen schneiden oder was auch immer. Ich komme sogar in den Kühlschrank ohne aufzustehen!

Während der Fahrt wird viel gemalt und Hörbuch gehört

Nachmittags suchen wir dann einen neuen Schlafplatz. Es soll in der Natur sein und am besten mit Park oder Spielplatz in der Nähe. Wir sind dabei immer ein bisschen paranoid weil wir nicht wissen ob man da über Nacht stehen darf oder ob man das überhaupt darf wegen der Ausgangssperre. Bisher wurden wir aber in Ruhe gelassen. Wenn die Kinder schlafen arbeitet Micha noch mal 2 bis 3 Stunden.

So sehen unsere Tage im Moment aus. Ganz schön, aber es soll noch anders werden. Wir fahren viel weil es so kalt ist und wir schnell in den Süden wollen. Wenn wir dann mit Urlaubsfeeling am Strand sind werden wir natürlich auch länger an einem Ort bleiben.

On the road again…

Übrigens…

Ist es zu fassen, dass ich während dieser ganzen Expedition noch ein (online-) Vorstellungsgespräch an der Hebammenschule Herne hatte? Und erfolgreich! Sie bieten mir für September einen Platz an. Was jetzt? Reise abbrechen um für 3 Jahre in Herne festzuhängen? Eine Ausbildung mit Schichtdienst morgens, abends, nachts, wochenends, feiertags? Die Kinder an neuen Kindergärten und Schulen anmelden? Ich möchte so gerne Hebamme werden, aber eigentlich nicht gerade jetzt! Das Problem ist, dass es die Ausbildung nächstes Jahr nicht mehr geben wird, dann ist alles auf Studium umgestellt. Und dafür reichen meine Abiturnoten nicht. Das habe ich schon festgestellt, weil ich mich bei ca. 20 Unis in ganz Deutschland beworben habe. Die nehmen manchmal nur 10 Leute auf 400 Bewerber! Das geht nur noch mit Einserschnitt. Also, was tun??

Während ich das schreibe schummeln wir uns übrigens gerade durch die Umweltzone der wunderschönen Stadt Freiburg und hören AC/DC dass mir die Ohren klingeln! It’s a long way top when you wanna rock n roll…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.