Da ist er, der erste Eintrag in unserem Blog. Die Domain liegt schon ein halbes Jahr ungenutzt herum, wir hatten beide nicht so wirklich Lust und auch keine Idee etwas zu schreiben. Ich hatte zwar immer wieder damit begonnen, aber es dann schnell wieder aufgegeben, vor allem, weil ich mir unsicher war, wer eigentlich die Adressaten sein würden. Wen interessiert das hier überhaupt? Schließlich sind wir keine Instagram-Reisefamilie mit schicken Youtube Videos. Familie und Freunde? Ja, aber denen würde man doch eher persönlich berichten, oder? Letztlich wird das hier wohl zuerst ein Tagebuch für uns selbst und dann eine Zusammenfassung, auf die wir Leute verweisen können, die wir unterwegs treffen.

Schwierige Zeiten?

Wir haben uns entschieden, trotz der im Moment ungünstigen Bedingungen einfach los zu fahren ins Ungewisse. Anna könnte jetzt bald, nach vielen Jahren ohne berufliche Perspektive, eine Ausbildung beginnen. Die Coronakrise macht Planung unmöglich und erschwert das Reisen ungemein. Viele Campingplätze und Freizeiteinrichtungen haben geschlossen. Und viele Plätze, an denen man bisher schön frei stehen konnte, werden gesperrt, weil einige Wohnmobilbesitzer ohne Anstand ihren Müll und den Inhalt ihrer Campingtoilette dort im Gebüsch hinterlassen. Pflichtbewusste Bürger und Exekutive sind nicht nur deshalb momentan ausgesprochen „aufmerksam“. Kurz, die Bedingungen könnten schlechter kaum sein.

Was hält uns hier?

Was für ein Wahnsinn, jetzt unsere schöne Wohnung in Düsseldorf, direkt am Rhein, gute Anbindung, niedrige Miete, großes Netzwerk in Düsseldorf, aufzugeben? Ja, vielleicht. Aber es gibt für alles eine Zeit und die Zeit in Düsseldorf ist nun abgelaufen. Es mag für Aussenstehende schwer zu verstehen sein, aber uns hält nichts mehr in diesem Haus. Wir zählen die Tage bis wir Düsseldorf hinter uns lassen können und seitdem wir uns für den Aufbruch entschieden haben, ist uns leichter ums Herz.

Die Matratzen können aber erst weg, wenn wir wirklich aufbrechen, oder?

Wir haben fünf Pfannen, drei Töpfe im Haus und fünf Töpfe und eine weitere Pfanne im Bus. Kistenweise Kinderkram. Eine Kaffeemühle. Einen Koffer mit Erinnerungen. Ein geliebtes Eichentischchen. Einen gläsernen Wasserkessel. Zweieinhalb Marionetten. Zu viele Gitarren. Geschätzte 20 Stoffbeutel. Eine Armee von Einmachgläsern. Einige Schuhe…

Die Vorbereitungen laufen, die meisten der verbliebenen Gegenstände in unserer Wohnung haben bereits ein neues Zuhause in Aussicht. Trotzdem ist da noch so viel Kram, dessen Zukunft ungewiss ist. Der Bürokratiekram ist weitgehend geklärt bzw. geplant. Wir sind noch unsicher, wie wir mit der Schule von Sophie und vor allem (ab Sommer) Benjamin umgehen. Sophie könnten wir freistellen lassen, aber Benjamin als Erstklässler hat diese Möglichkeit nicht. Da bleibt wohl nur, den Wohnsitz in Deutschland aufzugeben um in dieser Angelegenheit nicht mit dem Staat aneinander zu geraten. Der Bus ist im Großen und Ganzen fahrbereit, nur eine neue TüV Plakette fehlt noch und es wird fleißig hier und da verbessert und gebastelt. Etwas zu tun ist immer, sonst wäre es ja langweilig.

Unsere Liste von möglichen privaten Anlaufstellen im In- und Ausland wächst stetig, das ist beruhigend. Und wenn wirklich alle Stricke reißen können wir uns immer noch eine hübsche Wohnung irgendwo in schöner Umgebung nehmen und von dort aus weiter sehen.

Wovor haben wir eigentlich Angst?