Wer braucht schon das Meer, wenn er die Berge hat? (27.06-01.07)

Strand geht immer. Wasser, Sand, Schnorcheln… Kein Wunder, dass wir fast ausschließlich an der Küste unterwegs sind. Außerdem weht eigentlich immer eine Brise von der See her, was die Hitze erträglich macht.
Aber eigentlich ist Anna nicht der typische Strandmensch. Sie mag lieber kühle Bergseen oder klare, steinige (Gletscher-)Flüsse, bei denen sich mörderische Stromschnellen und Wasserfälle mit ruhigen, tieferen Becken abwechseln.

Solche Gewässer sind in Spanien leider eher in den Pyrenäen zu finden, wo ausreichend Wasser vom Himmel fällt und der ein oder andere Gletscher noch ganzjährig gefroren ist. Weiter südlich gibt es zwar auch schöne Bergwelten, aber die sind im Sommer meist ziemlich trocken – sieht man von den vielen Stauseen ab, die den Spaniern als Trinkwasser- und Energiereservoirs dienen.

Die Trockenheit und die unangenehme „stehende Hitze“ im Landesinneren haben uns bisher davon abgehalten, die Küste zu verlassen. Das sollte sich nun ändern, denn wir haben uns nach dem letzten „Sifferlebnis“ entschlossen, zurück nach Barcelona zu fahren um von dort aus die Fähre nach Italien zu nehmen. Aber den ganzen Weg an der Küste zurück zu fahren, den wir nach Süden gekommen waren, ist uns zu frustrierend – außerdem könnte es ja sein, dass wir im Hinterland doch noch schöne Orte finden, die nicht vollkommen von Pauschaltouristen, „versifften Hippies“ und Müll überschwemmt worden sind.

Wir sind also in der Schlangenbucht gestartet und nach einem weiteren Mercadona-Einkauf ein großes Stück nach Norden gefahren. Übernachtet haben wir an einem natürlichen Felsenbecken, das von blühenden Oleandern umrahmt irgendwo in der Pampa liegt. Die Anfahrt da hin war abenteuerlich und ich habe ein weiteres Mal ernsthaft am Sinn eines LKW Navi gezweifelt… Enger Schotterweg, ausgesetzt, total ausgewaschen und stellenweise ziemlich steil. Wenden war da auch schon lange nicht mehr drin. Gottseidank gab es erst auf den letzten 50m Gegenverkehr. Am nächsten Morgen haben wir dann auch noch das Schild „Durchfahrt verboten“ gefunden. Nunja… Hat ja gepasst.
Am „Pool“ konnten wir aber zur Belohnung einen wunderbaren Tag verbringen und die Hitze einfach wegbaden. Es kamen auch nur 2-3 mal andere Leute, die jeweils nicht so lange geblieben sind. Es gab auch noch einen größeren, wirklich spektakulären Pool etwas weiter Flussabwärts. Der war aber so toll, dass alle da hin sind. Entsprechend voll und vermüllt war es dort.
Nach einem relativ entspannten Badetag ging es dann weiter Richtung Norden.

Erfrischender Teich in der Steinwüste
Da kann man rein springen
Und andere lustige Dinge tun

Es gibt zwischen Cartagena und Valencia einen Wohnmobilstellplatz mitten im Nirgendwo, den ich unbedingt einmal anfahren wollte: Die Finca Caravana. Ein unter Spanienreisenden wohl sehr beliebter Platz auf dem weg von und nach Süden. Betrieben wird alles von einem ausgewanderten bayrischen Staatsbürger, der ein ziemlich netter Kerl sein soll. Außerdem gibt es dort weit und breit kein künstliches Licht und ich wollte den Kindern unbedingt einmal einen echten Sternenhimmel zeigen.

Ein Zwischenstop kurz vorher zum Auffüllen von Wasser wurde doch länger als geplant. Die Versorgungsstation war auf dem Gelände des örtlichen Sportplatzes, wo Benjamin auch sofort einen Skaterpark entdeckte. Also Skateboards vom Dach und ab in die Halfpipe. So kam es, dass wir erst nach Einbruch der Nacht auf der Finca ankamen.

Wieder mal ein Fall von blöder Servicestation. Soll ich wirklich eine halbe Stunde dumm da stehen und den Knopf unten halten?

Die Anfahrt war sehr holperig, die „Straße“ wieder nur eine Mischung aus Feldweg und trockenem Bachlauf. Die richtige Abzweigung haben wir natürlich im Dunkeln verpasst. Irgendwann kamen wir an einem Hof mit ein paar sehr aufgebrachten Hunden vorbei und es war klar, dass wir falsch abgebogen waren. Also wenden und zurück. Das tat mir sehr Leid für die Bewohner dieses Hofes, die mit Sicherheit durch uns aufgeschreckt worden waren.
Wenige Minuten später überholte uns dann auch ein Typ in Unterhose auf einem Roller. Er wusste genau, wo wir hin wollten und war extra in Unterbuchse auf seinen heißen Ofen gesprungen, um uns den Weg zu zeigen. Sehr freundlich.
Am Ziel stellte sich leider heraus, das Franz, der Betreiber, im Krankenhaus lag. Er hat es sich trotzdem nicht nehmen lassen, am Telefon freundlich Hallo zu sagen (um 23 Uhr!).

Am nächsten Morgen empfing uns Franz‘ Freundin mit selbstgebackenen Donuts und viel Herzlichkeit. Der Platz wird liebevoll gepflegt, ächzt aber sehr unter der Trockenheit und wurde kürzlich von einem Sturm stark mitgenommen. Wir sind nicht lange geblieben und direkt am nächsten Morgen weiter gefahren, denn die Kinder und wir brauchten angesichts der angesagten hohen Temperaturen unbedingt ein Gewässer zur Abkühlung.

In der Nähe von Cofrentes, ganz im Norden der Muela de Cortes, gibt es einen großen Stausee, an dessen Ufer wir die Nacht verbringen wollten. Bei der Einfahrt in Cofrentes erkannten wir, dass hier scheinbar ein großes Kernkraftwerk seinen Dienst tut, in dessen „Einfahrt“ wir aus Versehen eingebogen sind. Da war aber kein Durchkommen, mehrere Tore und Zäune mit Natodraht und allem, was die Sicherheitstechnik so hergibt. So richtig wilkommen waren wir da wohl nicht.
Noch schnell eine umfangreiche Mittagspause am Fuß der Berge und dann rauf zum See.

Mittagsruhe. Sieht nur ruhig aus weil es ein Standbild ist…
Ein Stündchen Erwerbsarbeit passte da auch noch rein

Die Landschaft dort oben ist wunderschön und sehr einsam. Der See riesengroß und leuchtend türkis. Die Straße steil und kurvenreich. Je weiter wir fuhren, desto verfallener wurde der Weg, bis die Straße schließlich ganz zu Ende war. Die komplette Straße war auf 50m abgesackt und wo die Fahrbahn hätte sein sollen, gähnte nur eine große Lücke. Dort am Fahrbahnrand gab es eine Parkbucht, in die wir ziemlich genau passten. Ein direkter Zugang zu einer Badestelle am See mit schönen Felsen war auch da. Es gefiel uns dort so gut, dass wir spontan drei Nächte blieben.

Ende im Gelände. Wenn Sie die Straße suchen, die ist ein paar Meter weiter unten zu finden.
Ich bitte die Strandboy-Pose zu entschuldigen. Unglücklich abgedrückt und so groß ist die Auswahl der Fotos, auf denen ich selbst drauf bin leider nicht.

Der See wird als Trinkwasserreservoir und zur Stromerzeugung genutzt und ist wirklich sehr groß. Gibt es ein Überangebot an Strom, wird Wasser aus dem See in ein höher gelegenes Becken gepumpt und bei Strommangel zur Energieerzeugung genutzt. In den drei Tagen, die wir am See verbrachten, stieg der Wasserspiegel um gute 2m. Ich wollte eigentlich mal abschätzen, wie hoch das Wasservolumen dazu sein musste, bin aber leider nicht dazu gekommen. Auf jeden Fall sind da in kürzester Zeit unvorstellbare Mengen von Wasser rein geflossen. Faszinierend.

Verlassenes Haus am See. Wäre ein schönes Ferienhaus, wenn es günstig zu haben wäre.
Sogar mit einer kleinen Außenküche

Es war sogar so entspannt dort, dass ich unsere (schon wieder) abgebrochene Auspuffaufhängung reparieren konnte. Der Originalhalter war schon in Deutschland gebrochen (kein Wunder, bei dem Ofenrohr von Auspuff nach 30 Jahren…). Damals hatten wir das Teil einfach durch einen Baumarktwinkel ersetzt und schon geahnt, dass der schnell ermüden würde. Deshalb wurde in weiser Vorraussicht irgendwann auf der Reise schon mal vorsorglich etwas „Tüdeldraht“ drum gewickelt. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste… Und siehe da: Hat sich gelohnt. Winkel kaputt. Ersatzwinkel (wieder Baumarkt. Leroy Merlin….) war schon gekauft und wurde schnell dran gebastelt. Mal sehen, wie lang der jetzt hält. Der Draht bleibt da auf jeden Fall dran bis zum nächsten TÜV…

Kaputt.
Fachmännisch zusammengestümpert.

Dann mussten wir leider doch weiter, denn wir wussten nicht, wie viel Zeit der mit der geplanten Fährpassage verbundene Hürdenlauf kosten würde und wir wollten unbedingt bald Gewissheit haben, denn unser „Sommerbesuch“ musste seine Flugbuchung an unseren Aufenthaltsort anpassen. Also packten wir schweren Herzens ein, sagten dem See und dem schönen, verlassenen Haus gleich um die Ecke Lebewohl und tuckerten gen Barcelona. Der Weg dorthin war eher unspektakulär, nicht besonders schön und dauerte zwei Tage.

Mittagspause am See
Selbstverordneter Erdkundeunterricht. Gut, dass Benjamin seinen großen Atlas dabei hat, der immer wieder hervor geholt wird.
Zeit zum Backen war auch. Leider gibt es keine Fotos vom fertigen Produkt, weil ich alle aufgegessen habe. Die lagen da halt so rum und ich konnte mich nicht beherrschen.

Wie wir die Fährpassage organisierten „[…] ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.“ – Ende 😉

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2 Gedanken zu “Wer braucht schon das Meer, wenn er die Berge hat? (27.06-01.07)”