Wir stechen in See (01.07 – 06.07)

Barcelona. Camping Tres Estrellas, am Meer direkt vor der Stadt. 50€/Nacht. Teurer Spaß, aber wir haben einiges vor.
Es geht mit der Fähre nach Sardinien, Italien. Dafür brauchen wir

  • Natürlich einen Covid-19 Test. Netterweise reicht nun ein günstiger Antigentest, max. 48h alt bei Einreise (also am Hafen auf Sardinien).
  • Ein Einreiseformular für Italien, online auszufüllen. Nix Papier, nur online.
  • Gültige Fährtickets.
  • Eine Erlaubnis, die Umweltzone von Barcelona zur befahren.

Glücklicherweise haben wir das Problem mit der Umweltzone rechtzeitig erkannt, denn man muss sein Fahrzeug erst aufwändig online registrieren, um dann eine Genehmigung beantragen zu können. Das dauert bis zu 15 Tage, sagt die Webseite auf der die Registrierung möglich ist. Grundsätzlich braucht jedes fremde Fahrzeug diese Registrierung, egal welche Emissionsklasse. Wenn die Karre neu genug ist, genügt die Registrierung und man hat freie Fahrt. Wir allerdings, wen wunderts, sind nicht neu genug. Wir dürfen pro Jahr 10 Tage in Barcelona fahren, müssen aber vorher eine Genehmigung für jeden Tag beantragen. Da das glücklicherweise nur drei Euro kostet, ist die erste Hürde schon mal genommen: Wir kaufen einfach Genehmigungen für mehrere Tage, dann haben wir einen Puffer für Fehler. Kostenpunkt: 9€. Schnäppchen.

Die Fährtickets sind eigentlich auch einfach. Wir kommen Samstag Abend in Barelona an und buchen eine Fähre für Montag Abend. Also haben wir den gesamten Sonntag (und notfalls noch den Montagmorgen), um unsere Antigentests zu besorgen. Die Ticketbuchung wollte ich eigentlich direkt bei der Reederei machen, aber deren Buchungsformular ist so bescheuert, dass ich ein größeres Fährportal nehmen muss: Wir sind zu fünft, es gibt aber nur Kabinen für maximal vier Personen. Bei einer Buchung kann man aber nur entweder eine Kabine, oder mehrere Sitze buchen. Eine Kabine für vier und ein kostenloser Deckplatz zusammen geht nicht. Ziemlich blöd.

Als nächstes das Einreiseformular, macht ja Sinn. Was Du heute kannst besorgen… Es ist Samstag Abend, ich sitze vor dem Formular. Gefragt wird nach dem Namen des Schiffs, auf dem wir einreisen. Der steht aber nirgends. Ein wenig Recherche zeigt, dass es zwei Schiffe der Reederei gibt, die diese Route befahren. Da wir nicht wissen, wieviel deutscher Korinthenkacker im durchschnittlichen italienischen Grenzbeamten steckt, kommt raten nicht in die Tüte. Außerdem will das Formular noch die Kabinen- und Sitznummer wissen. Die gibts aber erst auf der Bordkarte, die man beim Check-In am Hafen bekommt. War also nichts mit dem Formular für heute.

Ein Coronatest soll am Flughafen Barcelona möglich sein, ohne Termin. Wir fahren also Sonntag Mittag da hin. Die Fähre wird am Dienstag zwischen 10 und 12 Uhr auf Sardinien eintreffen, also sollte ein Test am Sonntagnachmittag nicht älter als 48 Stunden werden. Der Airport liegt eine Haltestelle vom Campingplatz entfernt, das sollte also schnell gehen… Wir nehmen trotzdem viel Wasser und einige Kekse mit, man weiß ja nie.
Luftlinie ist die Haltestelle schnell erreichbar, allerdings müssen wir mindestens den vierfachen Weg laufen, weil sie so an einer Schnellstraße liegt, dass man nur auf Umwegen hin kommt. Der erste Bus fährt einfach an uns vorbei. Scheinbar muss man hier aufdringlich winken, damit der Fahrer hält. Also eine halbe Stunde in der prallen Mittagssonne warten. Es ist wahnsinnig heiß, Anna verträgt die Hitze überhaupt nicht gut. Sophie ist mal wieder ein kleiner Engel und liest unermüdlich vor, bis der zweite Bus uns einsammelt. Diesmal winken wir alle wie Robinson auf der Insel.

Airport, dritter Stock, neben der Apotheke…


Am Flughafen finden wir nach schließlich das Testzentrum, aber da hängt ein Schild: „Only with Appointment“. Scheinbar überlastet. Mist. Ich sehe uns schon mit dem Taxi quer durch die Stadt fahren und irgendein privates Testzentrum suchen, aber oh Wunder: Am Montag, unserem Abfahrtstag, sind noch 5 Slots am Mittag frei. Das müsste passen. Also schnell buchen und wieder zum Campingplatz.
Die Kinder haben sich ein großes Eis und den Poolbesuch redlich verdient. Angesichts der Hitze und des stressigen hin-und-her Laufens sind die relativ entspannt geblieben.

Sophie liest vor
Ein „Sundowner“ – Was? – Ein Drink bei Sonnenuntergang.
Wie man sieht stehen wir in erster Reihe am Meer… Durch den Zaun lässt sich das aber irgendwie nicht recht genießen.

Für weitere 5€ dürfen wir unser Auto bis 18:00 (statt bis 11:00) auf dem Campingplatz stehen lassen. Das gibt uns Luft für die Tests, denn die Suche nach einem flughafennahen bewachten Parkplatz, den wir befahren können, war eher ernüchternd. Einen habe ich gefunden und ausgekundschaftet, aber da war ich nicht sicher ob wir durch die Einfahrt kommen. Die war in der Breite für normale PKW ausgelegt und ich hätte messen müssen, um sicher zu gehen. Wir machen uns also auf zum Flughafen, wieder mit Wasser und Keksen ausgerüstet. Wir rennen zum Bus, um ausreichend früh am Flughafen anzukommen, denn der Aufbruch dauerte länger als geplant. Es ist wieder heiß, der Sprint zum Bus nicht wirklich schön. Immerhin dürfen die Kleinen im Bollerwagen sitzen, was Sophie allerdings ungerecht findet.
Am Flughafen dann der Schock: Die fünf QR-Codes, die bei der Testbuchung angezeigt wurden, hatte ich auf mein Handy heruntergeladen und außerdem die Seite nicht geschlossen. Doppelte Sicherheit, dachte ich. Vor dem Testzentrum stellt sich aber heraus, dass der Download nicht so funktioniert hat, wie man sich das vorstellt. Meiner Meinung nach doof programmiert. Jedenfalls sind die Dateien nicht zu gebrauchen. Aber ich hatte die Seite ja noch offen, glücklicherweise. Allerdings meint die Seite, auf dem der Code angezeigt wurde, sich einfach selbst aktualisieren zu müssen als ich den Browser öffne und zack – weg sind die Codes. In der Buchungsbestätigung ist auch kein Code zu finden.
Wir stellen uns trotzdem an, in der Hoffnung, auch ohne Code einen Test zu bekommen. Immerhin haben wir bei der Buchung die Passnummern angeben müssen. Die Schlange ist lang und unser Termin bereits verstrichen. Als ordentlicher deutscher Staatsbürger macht mich das irgendwie sehr kribbelig… Aber alles ohne Grund. Die Dame am „Empfang“ hat eine Papierliste, in der sie die Namen sucht. Den Code will hier keiner sehen. Sie trägt sogar den Referenzcode für die Kartenzahlung von Hand in diese Liste ein… darum dauert das hier auch so lange.
Eine halbe Stunde nach Termin sind wir endlich dran. Ein weiterer Deutscher in der Schlange hinter uns beschwert sich, dass sein Termin vor 7 Minuten gewesen sei, er aber immer noch nicht dran wäre.
Der Test selbst ist wieder sehr unangenehm. Benjamin und ich haben einen männlichen Arzt, der scheinbar die Reise zum Mittelpunkt der Erde gelesen hat – jedenfalls bohrt er sehr enthusiastisch in meiner und danach dann leider auch in Benjamins Nase herum. So heftig, dass selbst ich mich kaum beherrschen kann. Benjamin ist natürlich überhaupt nicht glücklich damit. Echt blöd, das hätten wir ihm gerne erspart. Vor allem weil die Frau, die Anna und Sophie behandelt hat, ziemlich sanft war und das Stäbchen nicht bis ins Kleinhirn gebohrt hat…
Jedenfalls ist ein weiteres großes Eis fällig.

Kurz bevor wir abreisen wollen, spricht mich eine Gruppe Belgier an und fragt, ob wir eine Bohrmaschine hätten. Sie hätten ihren Zündschlüssel verlegt und würden gerne ihr Schloss aufbohren… Ich komme sicherheitshalber mal mit zu deren Gefährt, aber sie haben die Wahrheit gesagt. Die Kiste ist ein ziemlich altes Wohnmobil ohne Elektronik. Ich lasse ihnen die Maschine da und gehe packen. Als ich wieder komme, haben sie es geschafft. Die Lenkradsperre ist raus gebohrt, gestartet wird ab jetzt mittels Kurzschluss. Das Zündschloss ist nun zweckmäßigerweise mit Klebeband auf dem Armaturenbrett fixiert.

Die Abreise vom Campingplatz wird stressig. Die Kinder sind verständlicherweise aufgedreht und knatschig nach dem bisher stressigen Tag und die eigentlich geduldigere Anna hat eine Krise, was in Streit ausartet…
Wir erreichen das Fährterminal mit viel Puffer und ich gehe zum Check-In. Die verlangen vor Ausgabe der Bordkarten die Bestätigung, dass ich das Einreiseformular ausgefüllt habe. Das Einreiseformular verlangt von mir, dass ich Informationen eingebe, die auf den Bordkarten stehen. Die Situation lässt sich dann aber recht unkompliziert lösen, indem ich behaupte, das Formular ausgefüllt zu haben. Das stellt die Dame am Schalter zufrieden.
Eigentlich müssten die das Problem doch bei jedem Passagier haben, und zwar schon länger…

Warten, warten, warten… Die Einschiffung dauert recht lange und wir sind mit die Letzten.

In der Warteschlange vor der Fähre lernen wir ein Paar aus der Schweiz mit vierjährigem Sohn kennen und verstehen uns auf Anhieb gut. Die drei sind in einem alten VW LT vom Militär unterwegs. Mit Melodiehupe. So eine will ich auch…

Es geht nichts über frische Seeluft
Irgendwo da hinten liegt Spanien

Die Überfahrt ist spektatulär: mir wird das erste Mal nicht schlecht auf einer Fähre! Davon abgesehen erreichen wir Porto Torres planmäßig um kurz nach 10 am Dienstag Morgen und betreten sardischen Boden. Formulare oder Tests will natürlich keiner sehen.

Lieber mit Tesa angeklebt. Wer weiß, ob der Aufkleber beim Ablösen nicht den Lack mitnimmt. Wäre nicht das erste Mal…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Ein Gedanke zu “Wir stechen in See (01.07 – 06.07)”